Die Überfremdungsdebatte der 1970er-Jahre
Gründung einer «Anti-Italiener Partei» in Zürich
In seiner havarierten Wohnung stellt Albert Stocker die Ziele der von ihm gegründeten...
Standpunkte zur «Schwarzenbach-Initiative»
Den fremdenfeindlichen Statements von James Schwarzenbach werden in diesem Beitrag Erwiderungen des...
«Ich mag die Schweiz – aber mag sie mich?»
Die Sendung führt anlässlich der bevorstehenden «Schwarzenbach-Initiative» eine Umfrage in der...
Die dritte Überfremdungsinitiative
Die Reportage über die dritte Überfremdungsinitiative, die die Zahl der Ausländer in der Schweiz...
Angst vor Ausweisung: Gastarbeiter zur Überfremdungsinitiative
Für die ausländischen Arbeiterfamilien bedeutet die Überfremdungsinitiative eine grosse psychische...
Betroffene zur Ablehnung der dritten «Überfremdungsinitiative»
In kurzen Interviews berichten folgende ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter über ihre Sicht zur...
Die «Überfremdungsinitiative» im Rückblick 1974
In ihrer Initiative fordert die Nationale Aktion gegen Überfremdung von Volk und Heimat (NA) die...
In harschem Ton fordert der nationalistische Parlamentarier Markus Ruf den Rücktritt von Bundesrat...
Schweizerinnen und Schweizer: fremdenfeindlich oder solidarisch?
Diese Dokumentation zu Einwanderung und Integration italienischer Arbeiter in den Sechziger Jahren...
Kontext
Der Begriff der «ausländischen Überbevölkerung» oder der «Überfremdung» dominiert die politische Debatte in der Schweiz ab Ende der 1960-er Jahre während knapp eines Jahrzehnts. Wird die Bezeichnung zuerst von der Bundesverwaltung benutzt, so nehmen ihn einige Volkstribune später wieder auf, um wirtschaftliche und soziale Ängste jenes Teils der Bevölkerung zu schüren, der Abseits des Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit steht. Hinter dem Begriff der «Überfremdung» ruht die Auffassung, dass die massive Aufbietung von Fremdarbeitern in die Schweiz eine ernsthafte Gefahr darstelle für die «schweizerische Identität», sie entstelle, verschlechtere, ja sogar zerstöre.
1961 wird in Zürich die im wesentlichen gegen italienische Einwanderer gerichtete «Nationale Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat» gegründet. Diese fremdenfeindliche Bewegung erfährt ihren ersten Höhepunkt 1970 mit der Einreichung einer Volksinitiative, die eine Beschränkung des Ausländeranteils auf 10% der Gesamtbevölkerung fordert – mit der «Initiative Schwarzenbach», die den Namen ihres Urhebers Nationalrat James Schwarzenbach trägt. Von 54% der Stimmenden knapp verworfen, bewirkt die Initiative eine breit geführte Debatte und verschafft der «Nationalen Aktion» Bekanntheit im ganzen Land. Zudem verankert sie die Thematik der «ausländischen Überbevölkerung» dauerhaft. In den folgenden dreissig Jahren werden vier weitere fremdenfeindliche Initiativen dieser Art dem Urteil des Volks vorgelegt (1974, 1977, 1988 und 2000).
Auch wenn sie in der Schweiz wie im Ausland grosses Aufsehen erregen, erlangen die Initiativen weder die Zustimmung der Regierung noch die des Volks. Dennoch, unter dem gemeinsamen Einfluss von Wirtschaft und öffentlicher Meinung wird die Vorstellung einer «ausländischen Überbevölkerung» Anfangs der 1960-er Jahre in die Bundespolitik aufgenommen und hält sich bis in unsere Tage. So führt der Bundesrat 1970, einige Monate vor der Abstimmung über die «Schwarzenbach-Initiative», das Prinzip der jährlichen Kontingentierung von Fremdarbeitern ein.
Ein roter Faden führt durch die schweizerische Einwanderungspolitik, von der Quotenregelung über das sogenannte Drei-Kreise-Modell der 1990-er Jahre bis zum gegenwärtigen Zulassungssystem, das Staatsangehörige von EFTA-Ländern und der Europäischen Union gegenüber denjenigen anderer Ländern bevorzugt.




