Klimaforschung
Grüner Winter trotz Schneekanonen
Aussergewöhnlich mild und schneearm ist der Winter 1964. Tourismusverantwortliche sind besorgt und...
Die Schweizer Gletscher profitieren 1973 von günstigen Wachstumsbedingungen im Frühling während der...
Klimakatastrophe oder Panikmache?
Der Orkan «Vivian», die Trockenheit in Europa und die zweite Internationale Klima-Konferenz in Genf...
Im Mai 2005 erregt die Abdeckung einer Passage am Gurschengletscher oberhalb von Andermatt...
Kontext
Weit entfernt ist die Zeit, als Glaziologen noch von einer «allgemeinen Abkühlung des Klimas» sprechen. Im Laufe der letzten 20 Jahre gelangen Klimaforscherinnen und Klimaforscher zu gegenteiligen Resultaten, die globale Erwärmung kann nicht mehr ignoriert werden. Wenn auch der Klimawandel unbestritten ist, beurteilen Politik und Wissenschaft die Bedeutung menschlicher Einflüsse auf diese Veränderung bis heute unterschiedlich.
Früh beschäftigen sich Schweizer Wissenschafter mit der Klimaforschung. Ende des 19. Jahrhunderts schafft der Genfer Louis Agassiz als Pionier die Grundlagen der Gletscherforschung. Viele seiner Nachfolger interessieren sich für das Klima der Vergangenheit und begründen mit der detaillierten Erforschung der Alpengletscher die Paläoklimatologie. In den 1980er Jahren führen diese Forschungen eine Schweizer Expedition bis nach Grönland: Die Analyse von Bohrkernen aus jahrtausendealtem Eis ermöglicht den Vergleich mit Klimaschwankungen früherer Zeiten und schafft so die Grundlagen für Simulationen künftiger Klimaentwicklungen.
Vor zwanzig Jahren wird das Klima erstmals auch in der Öffentlichkeit zum Thema. 1990 sind der Winter ohne Schnee in den Alpen und eine aussergewöhnliche Trockenheit in Südeuropa Anlass für viele Medienberichte unter dem neuen Begriff «Treibhauseffekt». Die zweite Weltklimakonferenz der UNO in Genf legt den Grundstein für ein globales Umweltbewusstsein.
In der Schweiz stehen die Auswirkungen für den Tourismus am Anfang der Diskussionen. Schon 1964, als die globale Erwärmung noch kaum eine Hypothese ist, befürchten die Verantwortlichen nach einem schneearmen Winter Auswirkungen für die nächste Skisaison. Mit wiederholtem Auftreten überdurchschnittlich warmer Winter ab den 1990er Jahren muss sich eine ganze Industrie mit der Zukunft des Wintertourismus auseinandersetzen.
Die alpinen Ökosysteme der Schweiz reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen des Klimas. Die globale Erwärmung und die Bemühungen zum Klimaschutz werden deshalb in der Schweiz aufmerksam verfolgt. Abschmelzende Gletscher, Auftauen des Permafrostes und Erdrutsche sind die offensichtlichsten Folgen. Wenn sich Felsbrocken vom Eiger oder Matterhorn lösen, sind sogar nationale Mythen bedroht.
Die Wissenschaft liefert nicht nur Studien, sondern auch praktische Versuche: Das Anbringen einer Folie zum Schutz des Eises am Gemsstock ob Andermatt erregt 2005 europaweit Aufsehen, führt aber auch zur Kritik der Umweltorganisationen. Schneekanonen und Verbauungen gegen rutschende Hänge seien nichts als aufwändige, kurzzeitige Symptombekämpfung – langfristig führten nur griffige Klimaschutzmassnahmen zum Erfolg.




